Die Gestaltung technischen Wandels in Energieregionen durch Leitbilder

In den vier Energie-Regionen Murau, Weiz-Gleisdorf, Oststeiermark und Hallein-Salzburg werden relevante Leitbildprozesse dokumentiert und daraufhin untersucht, inwiefern sie Handeln koordinieren und technischen Wandel - in Richtung nachhaltiger Energiesysteme - beeinflussen können. Im Austausch und mit externer Unterstützung entwickeln die regionalen Akteure Kommunikations- und Netzwerkstrategien, die auf Übertragbares untersucht werden.

Kurzbeschreibung

Status

abgeschlossen

Kurzfassung

Dieser Bericht fasst die Ergebnisse eines Begleitforschungsprojektes zusammen, das im Rahmen der Programmlinie "Energiesysteme der Zukunft" von Februar 2006 bis Juli 2007 zu EnergieRegionen in Österreich durchgeführt wurde.

Hintergrund

Viele Initiativen in Österreich, die versuchen, die Regionalentwicklung einer bestimmten Region auf nachhaltige Formen der Energiegewinnung und einen sparsamen Umgang mit Energie auszurichten, bezeichnen diese Regionen als "EnergieRegion". In einigen Fällen sind solche Schwerpunktsetzungen das Ergebnis mehr oder weniger breiter Konsultationsprozesse, zumindest innerhalb einer regionalen Fachöffentlichkeit. Oft werden auch quantifizierte Ziele im Hinblick auf die regionale Energieversorgung definiert (z.B. spätestens im Jahr 2020 bilanziell energieautark zu sein). In allen Fällen wird versucht, Akteursnetzwerke zu etablieren, welche die Umsetzung von entsprechenden Maßnahmen in der Region fördern sollen.

Diese Initiativen gründen meist in zwei Motiven: Erstens werden die negativen ökologischen Folgen des derzeitigen Energiesystems nicht akzeptiert, und zweitens wird versucht, regionalwirtschaftliche Impulse zu erzielen (z.B. eine erhöhte regionale Wertschöpfung), indem die Energieversorgung von ausländischen und fossilen Quellen auf einheimische, erneuerbare umgestellt wird.

Motivation des Projektes

Einige dieser Projekte sind den Bereichen parteipolitische Profilierung bzw. "Sonntagsreden" oder Moden in der Regionalentwicklungsförderung zuzurechnen. Von ihnen sind längerfristig keine Auswirkungen zu erwarten. In anderen Fällen aber zeigen solche Leitbildprozesse und Akteursnetzwerke auch erstaunliche und konkrete Wirkungen. Deshalb lohnt es sich, diese Beispiele auf Möglichkeiten zur Gestaltung nachhaltiger Energiesysteme, sozialer Netzwerke und regionaler Märkte hin zu untersuchen.

Inhalte und Zielsetzung

Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, Möglichkeiten und Erfolgsbedingungen zu identifizieren, die den regionalen Einsatz von Leitbildern als Koordinationsinstrument auf dem Weg zu nachhaltigen Energiesystemen rechtfertigen. Als Fallbeispiele wurden vier österreichische Energie-Regionen untersucht. In einem exemplarischen Lernprozess wurden die geschaffenen Prozesse und Institutionen vor dem Hintergrund ihrer unterschiedlichen Rahmenbedingungen analysiert, weiterführende Kommunikations- und Netzwerkstrategien abgeleitet und diese auf übertragbare Schlussfolgerungen hin untersucht.

Der anwendungsorientierte Schwerpunkt lag darauf, Möglichkeiten und Erfolgsbedingungen zu identifizieren, die den regionalen Einsatz von Leitbildern als Koordinationsinstrument auf dem Weg zu nachhaltigen Energiesystemen rechtfertigen und anleiten können.

Die Leitfragen der Untersuchung sind daher:

  • (Wie) Kann ein Leitbild in (welchen) konkreten Entscheidungen wirksam werden und damit Handeln koordinieren?
  • Was sind zentrale Voraussetzungen für den Erfolg von EnergieRegionen (d.h. für ihre Präsenz und sichtbaren Einfluss)?
  • Welche Struktur von Netzwerken ist - unter welchen Voraussetzungen - erfolgreich?
  • Welche Kommunikationsstrategien erreichen - unter welchen Voraussetzungen - optimale Wirkung?

Als weiterführende Fragestellung wurde betrachtet, welche Möglichkeiten bestehen, Leitbildprozesse und Netzwerkbildungen in "EnergieRegionen" gezielt zu fördern - sowohl durch Koordination und Finanzierung von Seiten der Landesregierung, als auch im Rahmen von nachhaltigkeitsorientierten Forschungs- und Entwicklungsprogrammen, etwa dem Österreichischen Programm "Energie(systeme) der Zukunft".

Methodische Vorgehensweise

Für die Fallstudien wurde zunächst eine genaue Beschreibung und Analyse der regionalen Leitbildprozesse anhand eines Analyserasters durch beteiligte Akteure durchgeführt (Selbstwahrnehmung). In der Folge wurde diese Selbstwahrnehmung durch Interviews mit weiteren wichtigen Akteuren in den Regionen ergänzt. Die dadurch um verschiedene Fremdwahrnehmungen ergänzten Fallstudien wurden schließlich im Rahmen mehrerer Workshops im gesamten Projektteam diskutiert.

Für die einzelnen EnergieRegionen wurden erweiterte Kommunikations- und Netzwerkstrategien bereits bei einem ersten Gesamt-Workshop im Projektteam diskutiert, dann in persönlichen Treffen der RegionalpartnerInnen mit dem Experten für Soziales Marketing, PR und strategische Kommunikation, Florian Faber individuell weiter ausgearbeitet und nach einer abschließenden Diskussion im gesamten Team für diesen Bericht aufbereitet. Parallel dazu wurde in allen beteiligten EnergieRegionen bereits mit der Umsetzung der neu gewonnenen Erkenntnisse und Strategie-Optionen begonnen.

Überlegungen zu partiell verallgemeinerbaren Erkenntnissen wurden in einen zweiten Interviewleitfaden eingearbeitet. Auf Grundlage dieses Leitfadens, der Hypothesen zu Voraussetzungen und alternativen Strategien bei der Entwicklung von EnergieRegionen enthält, wurden acht weitere Interviews mit Personen durchgeführt, welche zuvor als potentielle InitiatorInnen bzw. Träger einer EnergieRegion oder als wesentliche MultiplikatorInnen identifiziert wurden (z.B. MitarbeiterInnen von Regionalmanagements und Leader-Regionen, deren Dachverbände bzw. nationale Vernetzungsorganisationen, Landes-Energie-Plattformen, Gemeindeverbände). Schließlich wurden - basierend auf dem Vergleich der Fallstudien - Schlussfolgerungen hinsichtlich notwendiger Voraussetzungen und möglicher Unterstützungsformen für erfolgreiche EnergieRegionen erarbeitet. Viele der hier dargestellten Ergebnisse gehen also auf einen insgesamt 18 Monate umfassenden Diskussionsprozess im Projektteam zurück.

Ergebnisse

Die Beschreibung der vier EnergieRegionen Murau, Weiz-Gleisdorf, Oststeiermark und Hallein-Salzburg als Leitbildprozesse und umsetzungsorientierten Akteursnetzwerken entsprechend den Leitfragen eines Analyserasters bildet ein wichtiges Ergebnis dieses Projektes.

Nun wurde erstmals die jeweilige Geschichte und Wirkungsweise der Leitbilder und Netzwerke in den Energieregionen dokumentiert und das versammelte Erfahrungswissen des Projektteams für eine gemeinsame Analyse unter Heranziehung verschiedenster professioneller und wissenschaftlicher Hintergründe genutzt. Auf dieser Basis wurden vier weiterführende Kommunikations- und Netzwerkstrategien für die EnergieRegionen entwickelt und mit deren Umsetzung bereits begonnen.

Auf Basis dieser Erkenntnisse und eines Vergleichs der vier EnergieRegionen konnten wichtige Eigenschaften erfolgreicher Umsetzungsnetzwerke identifiziert werden. Von zentraler Bedeutung sind dabei geeignete Träger (Organisationen bzw. Personen), welche umfangreiche Vermittlungsfunktionen zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Arenen zu erfüllen haben.

Die vergleichende Analyse von EnergieRegionen hat bestätigt, dass deren Erfolg auf einer sehr komplexen, sich gegenseitig verstärkenden sozialen Dynamik beruht. Diese Dynamik ist in ihrer Vielschichtigkeit (sie verbindet Prozesse auf der Akteurs-, Netzwerk- und makropolitischen Ebene) und ihrer Subtilität nur sehr schwer zu untersuchen und mit wissenschaftlichen Modellen zu erklären.

Insgesamt ist für die vier untersuchten EnergieRegionen jedoch eine beeindruckende Fülle von Wirkungsbelegen dokumentiert worden. Dies stellt aus unserer Sicht das wichtigste Ergebnis des Projektes dar: Die Bestätigung, dass EnergieRegionen unter bestimmten Voraussetzungen sehr wohl einen koordinierenden Einfluss auf Entscheidungen verschiedener Akteure in verschiedenen Bereichen ausüben können.

Publikationen

'EnergieRegionen'

Wirksame Leitbildprozesse und Netzwerke zur regionalen Gestaltung sozio-technischen Wandels
Schriftenreihe 29/2007 Philipp Späth, Herausgeber: bmvit
Deutsch, 87 Seiten

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

Philipp Späth M.A.
IFZ - Interuniversitäres Forschungszentrum für Technik, Arbeit und Kultur, Graz

Projekt- bzw. KooperationspartnerInnen

  • Ökologie-Institut
  • ARC Systems Research
  • Florian Faber Communications Consulting
  • Energievision Murau
  • Wärmeschiene Salzburg-Hallein
  • Energieregion Weiz-Gleisdorf
  • Energieregion Oststeiermark

Kontaktadresse

Philipp Späth M.A.
Schlögelgasse 2, 8010 Graz
Tel.: ++43 (316) 813 909-22
E-Mail: spaeth@ifz.tugraz.at
www.ifz.tugraz.at

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