Faire Wettbewerbsbedingungen für "Virtuelle Kraftwerke"

Analyse der notwendigen technischen, ökonomischen und regulativen Rahmenbedingungen, um "Virtuellen Kraftwerken" auf Basis erneuerbarer Energiequellen faire Wettbewerbsbedingungen im liberalisierten Strommarkt zu sichern.

Kurzbeschreibung

Derzeit ist in Österreich der Großteil der Ökostromproduktion im offiziellen Fördersystem gebündelt. Die Betreiber von Kraftwerken auf Basis erneuerbarer Energieträger sind in diesem von der Verantwortlichkeit der Deckung einer Last oder der Erfüllung eines Fahrplanes entbunden, da die Einspeisung unabhängig vom Zeitpunkt und dem temporären Energiebedarf vergütet wird und die Kosten für Ausgleichsenergie sozialisiert werden.

Einerseits sind jedoch bereits heute Ökostromanbieter dem unternehmerischen Risiko für die Kosten des Ausgleichs ihrer Leistungsbilanz ausgesetzt, anderseits muss aufgrund der zeitlich auf 13 Jahre begrenzten anlagenspezifischen Förderdauer mit dem Ausscheiden erheblicher Leistungen aus dem Förderregime innerhalb der nächsten Jahre gerechnet werden.

In einem Virtuellen Kraftwerk können diese Erzeugungskapazitäten auf eine ökonomisch und technisch effiziente Weise in das bestehende Energieversorgungssystem integriert werden. Als Virtuelles Kraftwerk wird ein interaktives, zentral steuerbares Netzwerk von dezentralen Erzeugungsanlagen und Verbrauchern verstanden, welche hinsichtlich der technologiespezifischen Lastcharakteristika auf einander abgestimmt sind. Informations- und Steuerungstechnologien erlauben ein Monitoring und eine Beeinflussung des aktuellen Verbrauchs und der aktuellen Einspeisung in gegenseitiger Abhängigkeit mit dem Ziel einer ökonomischen Optimierung für das betreibende Unternehmen. Die hohe Flexibilität des Systems erleichtert die Einbindung stark schwankender Einspeisung durch Windenergieanlagen und schafft dadurch einen gesellschaftlichen Nutzen im Vergleich zur konventionellen Behandlung dieser Technologie, welche derzeit mit hohen Kosten aus dem Ausgleichsenergiemarkt verbunden ist und tendenziell das Leistungsgleichgewicht im Übertragungsnetz negativ beeinflusst.

Die ökonomische Modellierung des Virtuellen Kraftwerkes als Bilanzgruppe im österreichischen Strommarkt zeigt den gesteigerten Bedarf an Ausgleichsenergie für Windkrafteinspeisung und die damit verbundenen Kosten auf. Für Bilanzgruppen mit hohen Anteilen an Windenergie im Erzeugungsmix wirkt der Umstand kostensteigernd, dass die eigenen temporären Leistungsabweichungen eine gleichläufige Tendenz zu den des Übertragungsnetzes aufweisen, das Modell zur Feststellung der Ausgleichsenergieverrechnungspreise jedoch die Steigerung dieser Differenzmengen bestraft. Ein hoher Anteil von Kleinwasserkraft an der Aufbringung reduziert die Ausgleichsenergiemengen, die Einbeziehung von photovoltaischer Stromerzeugung hat weniger einen positiven Einfluss auf die Mengen als vielmehr die entstehenden Kosten für Ausgleichsenergie.
Wie der Vergleich internationaler Marktordnungen zeigt, kann die Einführung eines Intraday-Marktes den Absatz von Windenergie erleichtern und die Ausweitung von Regelenergiemärkten über geografische Grenzen hinaus die Aufbringung der Regelreserve kostengünstiger gestalten. In Bezug auf die Praxis der Stromkennzeichnung wird zur Verhinderung von Missbrauch die Implementierung eines auf internationaler Ebene geschlossenen Systems für die Ausgabe und zentrale Verwaltung von Herkunftsnachweisen empfohlen.

Mit dem erarbeiteten Technischen Lastenheft liegt eine aktuelle Beschreibung der Anforderungen an die Software und Kommunikationstechnologie eines Virtuellen Kraftwerkes auf Basis erneuerbarer Energieträger inklusive einer Schnittstellendefinition vor.

Projektstatus

abgeschlossen

Publikationen

Faire Wettbewerbsbedingungen für "Virtuelle Kraftwerke

Schriftenreihe 45/2006 H. Auer
Deutsch, 107 Seiten, vergriffen

Downloads zur Publikation

Projektbeteiligte

Projektleiter

Univ.-Ass. DI Dr. Hans Auer
TU-Wien, Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft (EEG)
Gusshausstrasse 25-29/E373-2, 1040 Wien
Tel: +43-(0)1-58801 + 37357
Fax: +43-(0)1-58801 + 37397
E-Mail: auer@eeg.tuwien.ac.at
Internet: http://eeg.tuwien.ac.at

Projekt- bzw. Kooperationspartner

oekostrom AG für Energieerzeugung und -handel (Werkvertragspartner)
SIEMENS AG Österreich - PSE E&I (Werkvertragspartner)

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