Foto: Frontansicht des Einfamilien-Passivhauses in Pettenbach

Pilotanlagen-Planer geben Gas

Pioniere und Vordenker in der Biogas-Branche diskutierten bei einer Informationsveranstaltung im burgenländischen Güssing Chancen und Perspektiven für die Einspeisung von Biogas ins öffentliche Erdgasnetz.

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Reinhard Koch (Güssing), Michael Harasek (TU-Wien), Johannes Kraus (erdgas OÖ) und Reinhard Schweifer (BEGAS) haben eines gemeinsam: Sie projektieren und realisieren in Österreich Pilotanlagen zur Einspeisung von aufbereitetem Rohbiogas in ein öffentliches Gasnetz. Auf Einladung der burgenländischen Landesregierung, Landesrat Niki Berlakovich, und des BMVIT sowie der FFG diskutierten sie im Europäischen Zentrum für erneuerbare Energie in Güssing die Chancen und Perspektiven dieser Energienutzung.

Wird Biogas in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) im ländlichen Raum verstromt, so stellt sich die Frage nach einer geeigneten Abwärmenutzung. Zumeist ist diese nicht im erforderlichen Ausmaß möglich. Wird das Rohbiogas jedoch gereinigt, aufbereitet und in ein Gasnetz eingespeist, so kann fast die gesamte Energie ortsunabhängig genutzt werden.

Hornbachner Energie Innovation (HEI) und Partner haben im Rahmen von "Energiesysteme der Zukunft" in einer Grundlagenstudie alle nötigen technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte zur Biogas-Netzeinspeisung genau analysiert und zusammengefasst. Nun wird dieses Wissen im Rahmen eines Technologietransfer-Projektes der österreichischen Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Auf der Informationsplattform Biogas Netzeinspeisung ist das gesamte Thema seither hoch detailliert dargestellt, Checklisten, Anlagenbeispiele und Lieferantenverzeichnisse inklusive. Außerdem steht potentiellen Anlagenbetreibern dort kostenlos ein Online-Planungstool zur Verfügung, mit dem eine erste seriöse Kostenkalkulation für die Wirtschaftlichkeit eines Projektes durchgeführt werden kann.

In Kooperation mit den Landesregierungen von Vorarlberg (Landesrat Schwärzler), Oberösterreich (Landesräte Anschober, Stockinger), der Steiermark (Landesrat Wegscheider) und dem Burgenland (Landesrat Berlakovich) wurde diese Technologie in den letzten Monaten bei Informationsveranstaltungen einem Fachpublikum von 250 Personen ausführlich vorgestellt. Lokale Vordenker wie das Energieinstitut in Vorarlberg, der OÖ Energiesparverband, die Lokale Energieagentur in der Steiermark und die Güssinger Pioniere haben diese Veranstaltungen organisiert und mit umgesetzt.

Nach dem Start der ersten Pilotanlage zur Netzeinspeisung im oberösterreichischen Pucking stehen nun einige deutlich größere Projekte für Österreich in den Startlöchern. Noch dieses Jahr sollen im Energiepark Bruck/ Leitha 100 m3 Biomethan pro Stunde hergestellt aus Lebensmittelresten in das Netz von evn, Wiengas und OMV fließen. An weiteren Anlagen wird auch in Leoben, dem steirischen Weitendorf, Oberwart, Güssing, in Salzburg sowie gleich dreimal in Oberösterreich gearbeitet.

Zwar stellt das Treibstoffprojekt (Bio-CNG: 20% Biogas, 80% Erdgas) der heimischen Gaswirtschaft einen interessanten Absatzmarkt für das dann produzierte Biogas dar, doch noch fehlen in Österreich gesetzliche Rahmenbedingungen, die der Gaswirtschaft und auch den Anlagenbetreibern eine echte wirtschaftliche Sicherheit gewährleisten können. Das wird für eine breitere Markteinführung dieser Technologie entscheidend sein. Das deutsche erneuerbare Energiegesetz ermöglicht es im Gegensatz zu Österreich, Biogas ins öffentliche Gasnetz einzuspeisen und in Ballungsräumen genau diesen Gasanteil zur geförderten Ökostromerzeugung und Wärmenutzung wieder zu entnehmen. Deswegen steht die weltweit größte Netzeinspeisungsanlage auch in Pliening/Bayern, und Deutschland steht vor einem regelrechten Boom beim Anlagenbau zur Biogas-Netzeinspeisung.

Weitere Informationen auf der Informationsplattform Biogas Netzeinspeisung

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